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Auf Wiedersehen Kinder

Filmfoto: Auf Wiedersehen Kinder

Originaltitel: Au Revoir les Enfants
Frankreich/ Deutschland, 1987
Regie: Louis Malle
Drehbuch: Louis Malle
Kamera: Renato Berta
Musik: Franz Schubert, Camille Saint-Seans
Darsteller: Gaspard Manesse, Raphael Fejtö, Francine Racette, Stanilas Carre de Malberg, Philippe Morier-Genoud u.a.
Produktion: N.E.F., Stella, M.K.2
BJF-Empfehlung: ab 10 Jahren, FSK: ab 6 (besonders wertvoll)
Stichworte: Faschismus, Geschichte, Kindheit, Nationalsozialismus, Schule
Länge: 100 Minuten, Spielfilm Farbe dtF

Frankreich im Januar 1944. Widerstrebend kehrt der elfjährige Julien aus den Weihnachtsferien zurück in sein katholisches Internat. Der Abschied von der Mutter fällt ihm schwer. Aber es ist Krieg und viel zu gefährlich in Paris. Im Internat sind drei neue Jungen aufgenommen worden. Einer davon, Bonnet, kommt in Juliens Klasse und in seinen Schlafsaal. Gegen die Provokationen seiner neuen Mitschüler wehrt er sich kaum. Im Unterricht brilliert er mit seiner Intelligenz und nebenbei kann er auch sehr gut Klavier spielen. Über die Liebe zur Literatur kommen sich die Jungen langsam näher und eine verhaltene Freundschaft entsteht. Schließlich erfährt Julien das Geheimnis seines Mitschülers: Bonnets richtiger Name ist Kippelstein und er ist Jude! Was das zur Zeit der deutschen Besatzung bedeutet, erleben sie in einem Restaurant, als ein jüdischer Gast von französischen Kollaborateuren bedroht wird. Lange Zeit bleibt das Internatsleben von Krieg und Okkupation unberührt. Doch eines Tages erscheint die Gestapo in der Schule …

„Auf Wiedersehen Kinder“, sagt der Schulleiter Pater Jean, als er verhaftet wird. Er starb in Mauthausen, die drei Schüler blieben in Auschwitz.

„AUF WIEDERSEHEN, KINDER basiert auf einer Erinnerung aus meiner Kindheit, die sich mir als die am meisten dramatische eingeprägt hat … Dieser Morgen im Januar 1944 hat vielleicht über meine Berufung zum Filmemacher entschieden. Er ist mein Treuebekenntnis, mein Bezugspunkt. Ich hätte daraus das Thema meines ersten Filmes machen müssen, doch ich habe gezögert und abgewartet … Nach genau zehn Jahren in den Vereinigten Staaten habe ich dann gefühlt, dass der richtige Augenblick gekommen war …
Durch den Blick dieses kleinen Jungen, der mir ähnlich ist, habe ich versucht, diese erste, stärkste und abrupt zerstörte Freundschaft wiederzufinden und die absurde Welt der Erwachsenen mit ihrer Gewalt und ihren Vorurteilen entdeckt. 1944 ist fern, doch ich weiß, dass ein Jugendlicher von heute meine Gefühle teilen kann. Denn Ungerechtigkeit und Rassismus sind nicht verschwunden.“
(Louis Malle)

Auszeichnungen:
Oscar-Nominierung, Goldener Löwe beim Filmfestival Venedig 1987, Europäischer Filmpreis Felix 1988

Pressezitate:
„Die große formale Kunst dieses gefühlsstarken, doch niemals sentimentalen Films liegt nicht nur in der wehmütig liebevollen Beschwörung pubertärer Internatsnöte, nicht nur im atmosphärischen Detail der vierziger Jahre. Sie liegt vor allem im subtilen Nachvollziehen der Naivität dieses Lebensalters.”
(Ponkie, Abendzeitung München)

“Eine bewegende Schilderung menschlichen Verhaltens im Spannungsfeld von Rassismus, Verrat, Schuld und Solidarität. (Preis der OCIC in Venedig 1987).”
(Lexikon des internationalen Films)

„Die traumatische Kindheitserinnerung handelt von einer Episode aus dem Zweiten Weltkrieg, von der Unschuld der Opfer und der Schuld der Ahnungslosen. Ein bedrückendes Bekenntnis ohne Zugeständnisse an ein Genre und ohne die zeitgemäße Verklärung der Kindheit.“
(tip 24/87)

„In ruhigem Rhythmus erzählt Malle diese autobiographisch gefärbte Geschichte und lässt sich Zeit , die friedliche Oase, die die barbarische Zeit zu überdauern scheint, darzustellen. Um so größer ist das Erschrecken, um so tiefer der Sturz ins Bodenlose, wenn deutlich wird, wie leicht Kinderträume zerplatzen können, wie sehr Verrat und Rassismus Unschuld und gelebte Solidarität bedrohen. Ein leiser, feingewobener Film, der kleine Gesten und verstohlene Blicke den Vorrang vor melodramatischen Effekten gibt und der so überzeugend wirkt, weil man die Liebe und Anteilnahme spürt, mit der diese Geschichte erzählte wird. Ein aufrüttelndes Plädoyer für die Menschlichkeit.“
(AV-Mediendienst-Special 4/91)

Film des Schulfilmkanons