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Eine Hexe in der Familie

Filmfoto: Eine Hexe in der Familie

Originaltitel: En Häxa i Familjen – A witch in the family
Schweden/ Norwegen/ Großbritannien, 2000
Regie: Harald Hamrell
Drehbuch: Johan Bogaeus , nach dem Buch „Maria Bleknos“ von Ulf Starcks
Kamera: Olof Johnson
Musik: Adam Norden
Darsteller: Karin Bogaeus, Margreth Weivers, Rebecca Scheja, Fredrik Bisse Unger, Johan Rheborg, Tintin Anderzon, Hasse Johnson, Annika Hallin, Anna Lindholm, Mårten Hedman
Produktion: FilmLance International, Sonet Film
BJF-Empfehlung: ab 8 Jahren, FSK: ab 6
Stichworte: Fantastischer Film, Märchen
Länge: 82 Minuten, Spielfilm Farbe dtF

Maria ist acht Jahre alt, lebt bei Mama und Papa und hat einen kleineren Bruder, „Lillen“ genannt, mit dem sie das Zimmer teilen muss. Den Vierjährigen möchte sie gerne loswerden, denn dieses kleine Biest erscheint ihr einfach unerträglich zu sein. Nie lässt er seine Finger von ihren Sachen. Er stopft seine Saurier-Monster in ihr Puppenhaus, tunkt ihre Barbie in blaue Farbe und zerschneidet ihre Handschuhe. Kein Wunder, dass er ihr auf die Nerven geht. Bloß weg mit dem! denkt sie. Denn ein eigenes Zimmer, wie sie es sich wünscht, kann sie nicht bekommen, sagen die Eltern.

Da trifft es sich gut, dass kurz vor Ostern in der Nachbarschaft ein Mädchen einzieht, mit dem sie sich alsbald befreundet. Denn Makka ist im Besitz einer Kristallkugel, die angeblich Zauberkräfte hat und mit der man sich was wünschen kann – und da kommt ihr Lillen in den Sinn! Also beschwören sie die magische Kugel, dass Lillen ganz verschwinden soll.

Am selben Tag bekommt Maria hohes Fieber, kann nicht zur Schule gehen. Da die Eltern zur Arbeit müssen, suchen sie eine Kinderfrau und bekommen von Bekannten einen guten Tipp. Diese neue Kinderfrau, eine ältere „Tante“ namens Gerda, ist eine ungewöhnliche Person. Sie isst Wespen und schnarcht, dass die Wände wackeln. Für Makka ist es klar: Gerda ist eine Hexe! Sieht sie doch schon so aus, wie die Bilder in ihrem Hexenbuch. Und Hexen fressen natürlich kleine Kinder. Maria ist erst skeptisch, lässt sich dann aber überzeugen. Sie könnte sich also darüber freuen, dass ihr Wunsch so schnell in Erfüllung geht. Nun wäre ja alles in Ordnung und sie könnte in Ruhe und Frieden vergnügt ihr Leben genießen.

Dem ist aber nicht so. Es kommt nämlich alles ganz anders. Maria hat sich in sich selbst getäuscht und eines nicht bedacht: dass sie plötzlich eine ganz schreckliche Reue über ihre Tat verspürt. Maria möchte auf keinen Fall, dass ihrem kleinen Bruder etwas zustößt und möchte für ihr Leben gern ihre böse Tat ungeschehen machen. Aber wie nur?
Maria quält sich, wie sie dies bewerkstelligen könnte. Sie redet mit den Eltern, aber die gehen darauf nicht ein. Sie und Makka versuchen alle Gegen-Rezepte aus dem Hexenbuch, aber ohne Erfolg. Ein Gegen-Wunsch mithilfe der Kristallkugel geht auch nicht, weil Makka sie fallen lässt, so dass sie zerspringt. Schließlich kommt Maria ein rettender Einfall: Wenn sie wirklich für ihr Leben gern ihre Tat sühnen will, dann liegt die Lösung doch auf der Hand. Sie als große Schwester und Retterin ihres Bruders, muß sich selbst für ihren Bruder opfern…
Die Geschichte beruht auf dem Kinderbuch „Maria Bleknos“ (Maria Bleichgesicht) von Ulf Starck, dessen Bücher schon vielfach verfilmt wurden. Johan Bogaeus bearbeitete die Romanvorlage sehr frei und schrieb ein Drehbuch, das die dramatischen und lustigen Elemente betont, Übernatürliches einbezieht und auch ein bisschen Horror für Kinder bieten soll. Ursprünglich sollte der Film »Bleknos – en barnskräckis« (Bleichgesicht – ein Kinderhorrorfilm) heißen. „Aber eigentlich geht es darum, wie ungeheuer schwierig es sein kann, wenn man Geschwister hat, und wie die Gefühle für die Geschwister mitunter zwischen Hass und tiefer Liebe pendeln können.“
(Produktionsmitteilung)

Die Dreharbeiten dieser FilmLance-Produktion, an der sich eine ganze Reihe von Koproduzenten beteiligen, waren für April bis Juni 1999 vorgesehen. Die Kinderfilmkonsulentin des Schwedischen Filminstituts, Charlotta Denward, bewilligte dafür 9 Millionen Schwedenkronen (2 Mio. DM) an Förderungsmitteln. Weitere Förderung erhielt das Projekt (wegen der Koproduzenten) vom Nordischen Film- & TV-Fonds. Regie führte Harald Hamrell, der 1996 mit dem Jugendfilm »Vinterviken« als Spielfilmregisseur debütiert hatte.

Die Uraufführung war zunächst für Weihnachten 1999 geplant, wurde dann aber auf den Januar 2000 verschoben. Bei den 42. Nordischen Filmtagen Lübeck im November 2000 wurde der Film erstmals in Deutschland aufgeführt. Hier erhielt er den Preis der Kinderjury und eine Empfehlung des medienpädagogischen Begleitseminars. Ein Jahr später, im November 2001 erfolgte der deutsche Kinostart
Harald Hamrell scheint ein lustiges Kerlchen zu sein … Wenn er sich nun des schwedischen Märchenfilms mit seiner ahnenreichen Tradition annimmt, scheint er sein Feld gefunden zu haben. … Ein derartiger Auftrag erfordert Phantasie und Humor, und daran scheint es Hamrell nicht zu mangeln.

Der Ausgangspunkt der Geschichte ist gerade so alltäglich, wie es der Fall sein muss, wenn sich das Geschehen zu einem Märchen im Gegenwartskleid wandelt.
(…)
Die Eltern sind, nach üblicher Schablone, ohne jedes Verständnis und teilen überhaupt nicht den festen Glauben, dass aber auch alles möglich sei. Aber dank des frischen Johan Rheborg und der wie üblich präsenten Tintin Anderzon sind aber auch diese Nebenrollen mit Leben erfüllt. Der kleine Fredrik Unger ist wahrlich überzeugend in seiner sicherlich dankbaren Rolle als wandernde Katastrophe.

Es gibt eigentlich nur ein einziges Problem, aber das hat umso größere Bedeutung für das Ganze: die Lösung. Ein wahrlicher Antiklimax, der viel von der Mystik und Spannung (unterzeichneter Knabe hat sich manchmal gegruselt …) wieder wegnimmt . … Zwar eilt Hamrell wieder mit dem Komikerstab herbei, aber was bringt eine fröhliche Überraschung schon, verglichen mit einem Haufen schreiender Kinder?
(Fredrik Sahlin, in: „Nöjesguiden“, Stockholm, Februar 2000, S. 18-19)

Mit »Eine Hexe in unserer Familie« trifft die Kinderfilmgroßmacht Schweden in der Person von Regisseur Harald Hamrell wieder einmal Nerv und Geschmack des jungen Zielpublikums. Ein Spielfilm im wahrsten Sinne des Wortes: Er regt dazu an, mit Gedanken und mit der eigenen Vorstellungskraft ebenso wie mit Ängsten und Aggressionen spielerisch umzugehen, das Spiel aber auch ernst zu nehmen.

Eines Tages taucht aus dem Nichts die freundliche Tante Gerda als kurzfristig gefundene Babysitterin für das kranke Schulmädchen Maria auf, komischerweise kurz nachdem sich Maria gewünscht hat, keinen kleinen Bruder mehr zu haben. Die alte Dame hat manchmal eine verstörende Ähnlichkeit mit den unschönen Gestalten, die im Hexenbuch von Marias neuer Freundin Makka abgebildet sind. Außerdem raucht sie, schnarcht, wiehert und grinst ganz entsetzlich. Als sie Marias nervigen Bruder unbedingt auf einen Ausflug mitnehmen will, erwachen Marias Beschützerinstinkte. So ist sie am Ende doch ganz glücklich, als dank ihres tapferen Einsatzes die vermeintliche Hexe Gerda den Jungen – so viel darf im Voraus verraten werden – doch nicht zum Mittagessen verspeist. Sowohl Maria als auch die Zuschauer stellen sich während des gesamten Films die gleichen Fragen: Ist Tante Gerda eine Hexe oder nicht? Gibt es Hexen überhaupt? Woran erkennt man sie? Vor allem aber quälen sie sich mit der bei einem Film nicht zu vernachlässigenden Frage, ob sie ihren Augen trauen dürfen oder nicht. Auf all diese Fragen gibt es am Ende der Geschichte eine Antwort, die Sicherheitsuchende beruhigt, Zweifler zum weiteren Nachdenken anspornt. Unterdessen wird der Alltag der schwedischen Kinder zwar in prächtig strahlenden Farben, doch desillusionierend dargestellt: Sie verbringen den ganzen Tag ohne ihre Eltern, die morgens gehetzt das Weite suchen, um abends todmüde „Gute Nacht“ zu stöhnen. Den Rest erledigen Kindergärtnerinnen, Lehrer und Babysitter. Kein Wunder, dass alle Beteiligten, seien sie vor oder auf der Leinwand, Tante Gerda und dem Regisseur Hamrell für die intelligente und märchenhafte Abwechslung dankbar sind.
(Csz, in: „Blickpunkt Film“)

Pressezitate:
„Wir haben den Film Eine Hexe in der Familie ausgewählt, weil die Geschichte sehr spannend, aufregend, gruselig und witzig war. Die Schauspieler haben alle sehr überzeugend gespielt und die Handlung war sehr gut für Kinder zu verstehen. Der Film war sehr realistisch, weil Kinder sehr viel Phantasie haben und an ihre Phantasie glauben, genauso wie Marie und Makka. Wir möchten, dass dieser Film auch anderen Kindern gezeigt wird.“
(Kinderjury der Nordischen Filmtage Lübeck 2000)